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Eschachschule / Autorenlesung mit Anja Tuckermann


Der Sinto-Junge Mano ist elf Jahre alt, als der Krieg 1945 zu Ende geht. Er hat mehrere Konzentrationslager und den Todesmarsch von Sachsenhausen überlebt. Halb verhungert und am Ende seiner Kräfte bricht er auf der Landstraße zusammen. Eine Gruppe befreiter Französinnen nimmt ihn mit nach Frankreich und rettet ihm dadurch das Leben. Seine Lebensretterin schärft ihm ein, seinen Namen und seine Herkunft nicht zu verraten, sonst könne er nicht bei ihr bleiben. Er gehorcht und zerstört damit über Monate hinweg die Chance zu seinen Eltern, die ebenfalls überlebt haben, zurück zu finden.
Die Geschichte ist kein Fantasieprodukt Anja Tuckermanns, Mano gibt es wirklich. Der heute 85Jährige hat sie der Berliner Autorin erzählt und sie hat daraus das Buch „Mano - Der Junge, der nicht wusste, wo er war“ geschrieben. Der Tatsachenroman ist dieses Jahr Prüfungslektüre für die Abschlussprüfung an der Realschule und so willigte Schulleiterin Katharina Hirt und der Förderverein der Eschachschule gerne ein, dass Büchereileiterin Nadja Broghammer für die Zehntklässler eine Lesung mit der Autorin organisierte.
So stand dann Anja Tuckermann, eine recht zierliche Person in der Aula am Mikrophon, und alle erwarteten, dass sie lesen werde. Aber sie las nicht, stattdessen begann sie ruhig, zurückhaltend und beinahe schüchtern wirkend von Hermann Höllenreiner, alias Mano zu erzählen. In einfacher, schülergerechter Sprache erzählte sie von seinen Ängsten und Erinnerungen, von den furchtbaren Erfahrungen, die er als Kind machen musste. Sie erzählt, dass der Junge, der als alter Mann noch manchmal im Schlaf schreit, jahrzehntelang nicht über seine traumatisierenden Erlebnisse reden konnte, obwohl er „manchmal davon träumte,  eines Tages alles rauszuschreien.“ Ihr Publikum, 16jährige Jugendliche, die sonst durchaus sehr lebhaft sind, hört ihr betroffen und mucksmäuschenstill zu. Die Schüler spüren, hier redet nicht nur eine Schriftstellerin über ihr Buch, hier redet eine Frau, die eine Botschaft übermittelt, die ihnen allen etwas zu sagen hat. 
Die Botschaft kam an, die Schüler haben verstanden, was sich nicht zuletzt in den interessierten Fragen zeigte, welche die Autorin nach ihrem Vortrag gerne und nach bestem Wissen beantwortete, auch wenn es auf manche Fragen wohl nie eine abschließende Antwort geben kann.
 
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Nach ihrer „Lesung“ war Anja Tuckermann gerne bereit, die Bücher der Zehntklässler zu signieren.